27.01.2026 Holocaust-Gedenktag in Idstein

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2026 in Idstein

Der „Gedenkort Kalmenhof“ lädt für den Holocaust-Gedenktag 2026 um 19.00 Uhr zu einer Erinnerungsveranstaltung in das Verwaltungsgebäude von Vitos Teilhabe Idstein, Veitenmühlweg 10 ein. Unter dem Titel „Menschen erzählen Lebensgeschichten“ wird an NS-Verfolgte aus dem Idsteiner Land erinnert. Anhand von biographischen Skizzen werden die unterschiedlichen Szenarien von Verfolgung in der Zeit von 1933-1945 verdeutlicht.

Die Biografien beziehen sich sowohl auf Menschen, die im Kalmenhof lebten wie auch auf Verfolgte aus Idstein (und Ortsteilen) selbst. Vorgetragen werden die Lebensgeschichten von Menschen aus dem Idsteiner Raum, auch von Angehörigen. Der Verein „Gedenkort Kalmenhof“ dankt Vitos Teilhabe Idstein für die Möglichkeit, die Veranstaltung im Verwaltungsgebäude des Kalmenhofes durchführen zu können.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Bei Rückfragen: info@gedenkort-kalmenhof.de
Vorstand Gedenkort Kalmenhof e.V. 65510 Idstein

Termine: Courage macht aufmerksam auf Veranstaltungen anderer

15.01.2026 Überleben wird bestraft

Achtundfünfzig Euro. 58! Gesammelt aus Pfandflaschen, die andere achtlos wegwerfen oder rumliegen lassen. Aufgelesen von der Straße, aus Mülleimern gezogen, vermutlich mit gesenktem Blick und kalten Fingern von einem alten Mann in Hamburg-Altona. Einfach deshalb, weil seine Rente nicht für das Nötigste reicht. Für ihn ist Altersarmut kein abstrakter Begriff, sondern bitterer Alltag, in dem jeder Cent zählt und dreimal umgedreht wird. Zusätzlich zu seiner schmalen Rente bezieht er Grundsicherung, weswegen er diese 58 Euro gewissenhaft dem Sozialamt gemeldet hat. Ehrlichkeit ist schließlich eine Tugend. Und jetzt halten Sie sich fest: Das Amt hat dieses Geld dem guten Mann – nennen wir ihn Hans – als „Einnahme“ wieder abgezogen. Abgezogen! „Mit dem Regelsatz verrechnet“ nennt man das auch.

   Ein Leben voller Arbeit hat Hans im Alter nicht vor Armut geschützt, genauso wie 755.300 weitere Menschen nicht, die Grundsicherung im Alter bekommen. 2025 waren es Zehntausende Rentner mehr als im Vorjahr, die zusätzlich zu ihrer Rente auf Grundsicherung angewiesen sind. Das Altonaer Sozialamt gönnt Hans und wahrscheinlich auch niemand anderem keine läppischen 58 Euro mehr, die er sich hart erarbeitet hat.

   Pfandflaschensammeln ist aber keine Erwerbsarbeit. Es ist eine Überlebensstrategie. Eine Tätigkeit, die zwar geduldet, aber hinter vorgehaltener Hand in der guten Stube abgewertet wird. Eine Tätigkeit, die alle Verantwortlichen in diesem Land kollektiv beschämen sollte, die sich gegen weitere Lohnerhöhungen einsetzen oder dagegen aussprechen. Wer Pfand sammelt, gilt als gescheitert. Die meisten schauen lieber weg, weil sie mit der Not der Sammelnden nicht konfrontiert werden wollen. Genau diese Tätigkeit behandelt das Altonaer Sozialamt plötzlich wie ein reguläres Einkommen.

   Und hier lohnt sich der direkte Vergleich, an dem die Bigotterie unseres Systems ihren perfiden Ausdruck findet: 2020 bekommt Mathias Döpfner Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro geschenkt. Durch geschickte Konstruktionen werden dabei etwa 500 Millionen Euro Steuern einfach „gespart“. Ein Vorgang von enormer politischer und finanzieller Tragweite und kein Einzelfall, sondern ein Schlupfloch, das regelmäßig von den Reichsten genutzt wird. Die Konsequenzen sind ein paar Artikel, ein Achselzucken, weiter im Programm. Niemands juckt’s. Im Gegenteil: Bei einigen knallen die Korken, denn dieses Schlupfloch kam nicht aus Versehen oder durch Zufall in das Gesetz, sondern durch erfolgreiche Lobbyarbeit der Überreichen.

   Wenn man verstehen will, was in diesem Land schief läuft, reichen die zwei Geschichten von Hans und Mathias. Oben: Milliarden, Geschenke, Steuervermeidung – juristisch elegant, erfolgreich lobbyiert, politisch folgenlos, gesellschaftlich akzeptiert. Unten: Flaschen aus dem Müll, Ehrlichkeit gegenüber der Behörde – und sofort greift der Kürzungsmechanismus. Nicht, weil es viel Geld wäre. Sondern aus Prinzip und weil man es kann. Und man muss ja schon genau sein, und es gibt eben Regeln und die müssen auch befolgt werden und es darf schließlich der eine „Bedürftige“, der aus „unseren Steuern“ finanziert wird, nicht mehr haben als die anderen. Es ist nicht auszuhalten!

   Wenn ein alter Mann in Altona Pfand sammelt und das dem Amt meldet, sollte es die Behörde beschämen und aufhorchen lassen, weil es für viele andere keine andere Option gibt, als ihr monatliches Einkommen auf diese Art aufzustocken. Fast am schlimmsten Fall ist aber, dass die Person hinter dem Schreibtisch, die dieses Geld angerechnet hat, einen Ermessungsspielraum hat. Sie hätte auch anders entscheiden können, nämlich zugunsten von Hans, und ihm sein wohlverdientes Geld gönnen können. Sie wollte aber nicht. Zwar gilt nahezu alles in der Grundsicherung als anzurechnendes Einkommen, aber es gibt Ausnahmen für Kleinstbeträge, zum Beispiel aus Pfanderträgen. Einen ähnlichen Fall gab es nämlich vor Jahren in Dortmund.

   Wir haben ein System geschaffen, das nach oben blind ist und bereitwillig wegschaut – und nach unten gnadenlos scharfstellt, das jedes Kinkerlitzchen kontrolliert und Individuen mit Ermessensspielräumen ausstattet, die keinen moralischen Kompass haben, um mit diesem verantwortungsvoll umzugehen. Steuertricks gelten als clever, Pfandsammeln als verdächtige Einnahmequelle.

   Achtundfünfzig Euro sind kein Wohlstand. Das sind ein paar Mahlzeiten, ein Rezept aus der Apotheke, vielleicht ein bisschen weniger Panik am Monatsende, ein paar warme Socken. Und trotzdem wird der Verwaltungsapparat in Bewegung gesetzt, als wäre es ein Millionen- oder gar ein Milliardenbetrag.

   Dabei geht es längst nicht mehr nur um Geld. Es geht um Haltung, um Empathie, um Menschlichkeit. Grundsicherung ist kein Almosen, kein Gnadenakt, kein Belohnungssystem für angepasstes Verhalten. Medikamente sind kein Kaviar, warme Kleidung keine Haute Couture. Wir müssen endlich aufhören, auf die Armen zu zeigen, und anfangen, nach oben zu schauen. Denn ein Staat, der bei Milliarden wegsieht und bei 58 Euro gnadenlos zugreift, der hat kein Haushaltsproblem.

   Er hat ein Gerechtigkeitsproblem.     

Der Freitag,15.1.2026

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19.01.2026 Antisemitismus und die AfD

Antisemitismus in der AfD
Buchvorstellung
Montag, 19.1. 18 Uhr im Haus am Dom, Frankfurt

Antisemitismus ist in der AfD tief verankert – von Verschwörungserzählungen bis zur Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen. In seinem Buch analysiert Stefan Dietl den Antisemitismus als zentrales Ideologieelement der Partei, beleuchtet ihre Selbstinszenierung als „Israelfreundin“ und die wachsende Präsenz judenfeindlicher Denkweisen im öffentlichen Raum.

Stefan Dietl ist ehrenamtlicher Vorsitzender der ver.di Oberpfalz und wird sein Buch mit Dr. Daniela Kalscheuer, der Studienleiterin für das Referat „Zeitgeschichte und Interkulturelles“ des Bistums Limburg besprechen.

DGB-Region Frankfurt-Rhein-Main

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08.01.2026 Sie haben genug vom Krieg

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft leitete von Januar bis Oktober 2025 insgesamt 176 000 Verfahren wegen unerlaubten Entfernens aus der Truppe oder Desertion ein. Nun sollen diese Zahlen zum Staatsgeheimnis werden. Ein Artikel aus Neues Deutschland

Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

FAZ-Newsletter, 2026-01-06

US-Präsident Donald Trump ließ ohne Zustimmung des Kongresses den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen und nach Amerika bringen. Was völkerrechtlich hochbrisant ist, scheint Investoren derzeit nicht zu stören – im Gegenteil.

Kluge Äußerungen und bezeichnende Einlassungen mit Erkenntniswert

31.12.2025 Buon tedesco – Der gute Deutsche

Was einem bleibt, wenn es zu spät ist, dafür steht als ein leuchtendes Beispiel der „buon tedesco“ der norditalienischen Kleinstadt Sarzana. Es ist der „gute Deutsche“ Rudolf Jacobs aus Bremen. In junge Welt bespricht Sabine Lueken das Buch von Ulrike Petzold über den Deserteur und Partisan.

Radikal antifaschistisch & links: junge Welt