Die in vollem Wohlstand aufgetakelte Fregatte segelte an unserer Mahnwache vorbei, und ihr hätte wohl auch ein Blick auf die aushängenden Bilder nicht helfen können.
Die Bilder hatte die Fotografin und Flüchtlingshelferin Alea Horst aus Diez von ihren vielfältigen Einsätzen aus den Elendslagern in Griechenland mitgebracht.
Es gibt zum Glück nicht viele Menschen, denen nicht das Elend Angst macht, sondern die unter ihm Leidenden.
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Anders die jungen Leute, die zwischen Mitternacht und früh morgens ihre Feierlaune ruhen ließen, um sich in ernsthaften Gesprächen mit den von der EU an ihren Außengrenzen ins Werk gesetzten Verhältnissen zu beschäftigen und über Wege und Mittel zu ihrer Aufhebung nachzudenken.
Auch bei Tageslicht zeigten sich viele Passanten von der Mahnwache und den Bildern beeindruckt. Hunderte Courage-Flyer gingen weg und hunderte Euro an Spenden ein. Das Geld wird Alea Horst, die am Freitag Nachmittag auch persönlich zum Gespräch zugegen war, für weitere Hilfeleistung verwenden.
Klar war auch, dass sofortige Hilfeleistung begleitet sein muss von einer politischen Wende. Leer-dümpelnde Kreuzfahrtschiffe zum Evakuieren der Elendslager umzufunktionieren wäre eine Sache – die andere muss sein, keine neuen Schlachtkreuzer für Griechenland oder sonstwo zu bauen, wo einzig neue Mordtaten und neue Flüchtlingsströme die Folge sind. Friedensdialog statt Kampfdrohnen.
Die Mahnwache Haltenden aus DGB, Wir-sind-Mehr, Courage, Fridays-for-Future und 3 oder 4 Parteien wissen, dass ihre Aktion, 24 Stunden bei einigem ****-Komfort (Dank an alle für Kaffee, Kakao, Kuchen, Pizza und Frühstück!) , nur ein kleines Zeichen der Solidarität mit den jahrelang unter unmenschlichen ausharrenden Flüchtlingen sein kann. Der Kampf muss weitergehen.



Per Handy bin ich zufällig auf sie gestoßen: Ihr Name ist Susana Rivera, und mit bewundernswerter Offenheit schildert sie, dass sie nicht wisse, was sie machen solle, wenn wegen Treibstoffmangels die Kitas geschlossen würden. Es ist ein kurzes Video, veröffentlicht vom UNICEF-Büro in Kuba, und sie ist die Hauptdarstellerin: 22 Jahre alt und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie arbeitet als Grundschullehrerin und bringt anderen Kindern Lesen und Schreiben bei, ist dabei aber auf Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen – öffentliche Einrichtungen, die von der Revolution zur Unterstützung berufstätiger Mütter geschaffen wurden. Ihre Worte, auf Instagram eingebettet zwischen scherzhaften Reels und gelegentlichen regierungsfeindlichen Pamphleten, erschüttern mich.