Beharrliches Bohren dicker Bretter (und alter Nazi-Steine) lohnt sich doch. Das sogenannte Eisenbahner-Denkmal auf dem heutigen Gelände der WERKStadt ist seit dem 22.11.2021 offiziell auf der Agenda der Limburger Stadtpolitik.
Auf Antrag der SPD-Fraktion soll der Magistrat „eine historische Einordnung des Denkmals in der Werkstadt (sic!) … vom Stadtarchivar vornehmen zu lassen und im Ausschuss vorzustellen.“
Über die Begründung des Antrags sehen wir schnell hinweg, sachliche Fehler (das Ding ist gerade nicht aus dem 1. Weltkrieg) neben geheimnisvollen oder gedankenlosen Andeutungen (welche Diskussion soll versachlicht werden?) sind sicher der eiligen Erstellung anzulasten.
Wichtig ist, daß das Monument auf den Tisch des Hauses kommt, und das hat die Stadtverordnetenversammlung heute beschlossen.
Courage hat seit über zwei Jahren unverdrossen auf die historischen Wurzeln und die fest eingemauerte Sinngebung des „Klotzes“ hingewiesen. Wir haben ihn symbolisch verhüllt, haben bei Aktionen am Ort seinen militaristischen Charakter verdeutlicht und haben mit dem unfreiwilligen „Erben“ und heutigen Eigentümer des Monuments – recht konstruktive – Gespräche darüber geführt.
Zudem hat Courage neben der Möglichkeit, das Kriegsdenkmal komplett zu beseitigen, auch eine konkrete Idee zur Umgestaltung vorgelegt, durch die dieses „Mal“ erst wirklich zum „Denken“ ermahnen würde.
Der Zweck der Nazis beim Bau ihres „Denkmals“ im Jahre 1937 war offenkundig: Die Trauer um die Toten des verlorenen Ersten Weltkriegs sollte für die Erziehung der Täter des Zweiten nutzbar gemacht werden. Nicht um „Denken“ ging es, sondern um Revanche. Keine zwei Jahre später war es so weit, und die Mordmaschinerie des „III.Reichs“ stellte die kaiserliche noch in den Schatten. Mit dem nach 1945 wegretouschierten Hakenkreuz symbolisiert die Geschichte des Bauwerks zugleich den gewollt blinden Umgang der frühen Bundesrepublik mit den deutschen Eroberungs- und Deportationszügen des frühen 20. Jahrhunderts. Diese Geschichte sollte in einer Neugestaltung sichtbar werden.



Per Handy bin ich zufällig auf sie gestoßen: Ihr Name ist Susana Rivera, und mit bewundernswerter Offenheit schildert sie, dass sie nicht wisse, was sie machen solle, wenn wegen Treibstoffmangels die Kitas geschlossen würden. Es ist ein kurzes Video, veröffentlicht vom UNICEF-Büro in Kuba, und sie ist die Hauptdarstellerin: 22 Jahre alt und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie arbeitet als Grundschullehrerin und bringt anderen Kindern Lesen und Schreiben bei, ist dabei aber auf Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen – öffentliche Einrichtungen, die von der Revolution zur Unterstützung berufstätiger Mütter geschaffen wurden. Ihre Worte, auf Instagram eingebettet zwischen scherzhaften Reels und gelegentlichen regierungsfeindlichen Pamphleten, erschüttern mich.