Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde und Mitstreiterinnen,
Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt – und darüber ist kein Zweifel: der Feind steht rechts!
Dies sagte der Reichskanzler Joseph Wirth nach dem Mord an Reichsaußenminister Walter Rathenau. Dennoch wurden elf Jahre später die Nazis an die Macht gehievt und weitere zwölf Jahre danach lag Europa in Schutt und Asche, 60 Millionen Menschen hingemetzelt im Zweiten Weltkrieg.
Am 8. Mai 1945 kapitulierte das faschistische Deutschland. In dem Land, das die weitaus meisten Opfer zu beklagen hatte, in der Sowjetunion, war das bereits der Morgen des 9. Mai – ein Grund, in diesem Jahr gemeinsam am Samstag daran zu erinnern.
In der Bundesrepublik Deutschland hat es dann noch 40 Jahre und die Rede eines Bundespräsidenten gebraucht, bis das Kriegsende „Befreiung“ genannt werden konnte.
Nun liegt die Befreiung vom Faschismus 75 Jahre zurück, und Nazis ziehen wieder mordend durch das Land.
Die NSU-Mordtaten sind nach jahrelangem Prozess nicht aufgeklärt, im vergangenen Jahr fiel der Kasseler Regierungspräsident einem rechten Attentäter zum Opfer, im Oktober entkamen nur durch Zufall 50 jüdische MitbürgerInnen dem Attentäter von Halle, der zwei Menschen erschoß, und zuletzt im Februar starben in Hanau neun MitbürgerInnen unter den Schüssen eines Rassisten.
Rechte Politiker lobpreisen die Taten der Wehrmacht und verhöhnen die Opfer. Derweil harren Tausende Flüchtlinge, zusammengepfercht in Lagern an den Außengrenzen der Europäischen Union der Ankunft des Corona-Virus.
Es scheint, als wäre das Elend des Zweiten Weltkriegs und die Lehren daraus vergessen.
Das ist Grund genug für unser Bündnis „Courage gegen rechts“ auf die Straße zu gehen und zu fordern:
- Konsequente Verfolgung der faschistischen Straftäter, Aufdeckung der Hintergründe, Offenlegung aller behördlichen Aktenbestände
- Keine weitere Aufrüstung, keine nuklear-tauglichen Fluggeräte für die Bundeswehr, Beendigung aller Auslandseinsätze.
- Sofortige Auflösung der menschenunwürdigen, lebensgefährlichen Flüchtlingslager an den EU-Außengrenzen, menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge bei uns.
Wir treffen uns zur Demonstration
„Demokratie im Lande – Frieden in der Welt – Solidarität mit den Opfern von Faschismus und Krieg!“
am Samstag, den 9.Mai 2020 um 11:00 Uhr
vor dem Bahnhof in Limburg
Bringt Eure Masken mit, achtet auf Abstände, wir werden alle Auflagen einhalten.
Mit freundlichen Grüßen,
Harff-Dieter Salm
Für das Bündnis „Courage gegen rechts„



Per Handy bin ich zufällig auf sie gestoßen: Ihr Name ist Susana Rivera, und mit bewundernswerter Offenheit schildert sie, dass sie nicht wisse, was sie machen solle, wenn wegen Treibstoffmangels die Kitas geschlossen würden. Es ist ein kurzes Video, veröffentlicht vom UNICEF-Büro in Kuba, und sie ist die Hauptdarstellerin: 22 Jahre alt und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie arbeitet als Grundschullehrerin und bringt anderen Kindern Lesen und Schreiben bei, ist dabei aber auf Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen – öffentliche Einrichtungen, die von der Revolution zur Unterstützung berufstätiger Mütter geschaffen wurden. Ihre Worte, auf Instagram eingebettet zwischen scherzhaften Reels und gelegentlichen regierungsfeindlichen Pamphleten, erschüttern mich.