Roger Waters wird in Presse, Funk und Fernsehen des Antisemitismus beschuldigt, deutsche Behörden versuchen, seine Auftritte zu unterbinden. Selten erfährt man, was er tatsächlich tut, singt und sagt. In einem ausführlichen Streitgespräch mit dem SZ-Magazin zeigt er sich konzentriert, informiert und auch nachdenklich.
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SZ: Bei Ihrem Konzert in München haben Sie den Wunsch des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter, Ihr Konzert zu verbieten, mit der Bücherverbrennung der Nazis verglichen. Wir Deutschen haben uns verabredet: Vergleiche niemals etwas mit dem Naziregime! Sechs Millionen ermordete Juden bilden eine unvergleichliche Schuld, und die Bücherverbrennungen gehören dazu.
Roger Waters: Auch wenn ich Ihr immer noch offensichtliches Gefühl nationaler Schuld am Holocaust nicht nachvollziehen kann, hoffe ich, dass ich dieses Gefühl nach meinem Aufenthalt in Deutschland und meinem Gespräch mit Ihnen jetzt etwas besser verstehen kann. Und wenn ich mit meinem Hinweis auf die Bücherverbrennung in München Salz in offene Wunden gestreut und Schmerzen verursacht habe, bereue ich das aufrichtig.



Per Handy bin ich zufällig auf sie gestoßen: Ihr Name ist Susana Rivera, und mit bewundernswerter Offenheit schildert sie, dass sie nicht wisse, was sie machen solle, wenn wegen Treibstoffmangels die Kitas geschlossen würden. Es ist ein kurzes Video, veröffentlicht vom UNICEF-Büro in Kuba, und sie ist die Hauptdarstellerin: 22 Jahre alt und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie arbeitet als Grundschullehrerin und bringt anderen Kindern Lesen und Schreiben bei, ist dabei aber auf Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen – öffentliche Einrichtungen, die von der Revolution zur Unterstützung berufstätiger Mütter geschaffen wurden. Ihre Worte, auf Instagram eingebettet zwischen scherzhaften Reels und gelegentlichen regierungsfeindlichen Pamphleten, erschüttern mich.